Vom 1. Oktober 2022 bis 31. Dezember 2025 lief das Projekt „Kulturbrücke Jugenddemokratie“ im Quartier mit dem Träger WerkStadt Kulturverein Berlin e. V. Das ist ein gemeinnütziger Kunstverein in Neukölln, der durch vielseitige künstlerische Projekte die zeitgenössische Kunst und den Austausch rund um die Künste fördert. Judith Rohleder begleitete das Projekt von Anfang an und zog nun eine Bilanz.
Warum wir uns engagiert haben? Im Berliner Vergleich sind im QM-Gebiet Kinder und Jugendliche überdurchschnittlich vertreten. Aber es gibt nur wenig Freizeitangebote und keine kulturellen Angebote für sie. Deshalb wollten wir Kinder und Jugendliche von 10 bis 16 Jahren im Rahmen eines Jugenddemokratieprojektes befähigen, sich selbst zu verwirklichen und damit ihre Teilhabe an der Gesellschaft zu stärken. Dafür haben wir ihnen eine kreative Bühne gegeben, ihnen zugehört, ihre Bedürfnisse ernst genommen und gemeinsam mit ihnen ihre Ideen umgesetzt. Im Laufe des Projektes veränderte sich die Zielgruppe. Bei den Angeboten im Jugendclub waren Besucher*innen bis 20 Jahre dabei, speziell auch junge Frauen von 16 bis 20 Jahren. Bei Aktionen auf dem nahe gelegenen Spielplatz Bendastraße kamen vor allem Kinder bis 14 Jahre.
Dafür haben wir uns auch Kooperationspartner gesucht. Ein Partner und zugleich Ausgangspunkt unserer Aktivitäten war der Jugendclub in der Glasower Straße, der damals noch „Underworld“ hieß. Aber es gab auch eine Zusammenarbeit mit dem Projekt „Nachbarschaftliches Miteinander auf dem Kulturbunker“ vom Kulturlabor „trial&error“, mit dem Kunst-Veranstaltungen und Ausstellungen auf dem Kulturbunker angeboten wurden. Weitere Kooperationspartner waren das Freilandlabor Britz, „Zusammen in Britz“ und Yeşil Çember mit ihrem Projekt „Empowerment für gesunde und nachhaltige Ernährung“. Zudem fanden Aktionen statt an Orten, die von den Kindern und Jugendlichen frequentiert wurden.
Die von uns entwickelten Formate sollten Spaß machen und die Kreativität der Kinder und Jugendlichen langfristig fördern. Sie sollten auch ihren Aktionsradius erweitern und sich mit Gleichaltrigen in anderen Quartiere auszutauschen. Und die Angebote dienten dazu, langfristig bei ihnen den sozialen Zusammenhalt zu stärken.
Um ansprechender für die Zielgruppe zu sein, wurde das Projekt in der Öffentlichkeitsarbeit „lit.woch“ genannt. Das Motto war ganz einfach zusammen gefasst – Kunst machen & Kultur erleben! Jeweils am Mittwoch konnten Kinder und Jugendliche sich mit Fotografie, mit Comiczeichnen, Musik und vielfältigen weiteren Aktivitäten beschäftigen. Diese haben wir gemeinsam mit ihnen vorbereitet und abgestimmt, zum Beispiel, welche Workshops stattfinden oder wohin die Ausflüge gehen sollen. Vor dem Jugendklub übernahmen die Kids im Rahmen des Projektes „Gutes Klima für den Kiez“ eine Baumpatenschaft und bauten und gestalteten mit einer Künstlerin die Umrandung der Baumscheibe. Für die Gruppe junger Frauen war das Podcast-Projekt wichtig, eine Idee, die aus der Gruppe entstand und weiterentwickelt wurde.
Die Ergebnisse wurden sichtbar gemacht für alle. So haben wir die Bilder der geplanten Fotorallyes und -workshops im Jugendclub ausgestellt und bei unseren eigenen Sommerfesten das Projekt nach außen präsentiert. Auch bei den Dezentralen Kiezfesten und beim „Tag der Städtebauförderung“ waren wir vertreten. Zur „Fête de la Musique“ gab es einen Fotospaziergang und die Jugendlichen besuchten Konzerte.
Ein Meilenstein? Das war sicher die Teilnahme am Kunstfestival „48 h Neukölln“ im Juni 2024. Jugendliche zeigten ihre Fotoausstellung “(in)between worlds” oder “Ich mag es, wenn ICH laut bin” auf dem Kulturbunker. Es war ein Erfolg, sie bekamen viel positives Feedback. Eine großartige Resonanz gab es auch beim Dezentralen Kunstfestival im November 2025. Kinder, Jugendliche und auch Familien konnten sich kreativ und künstlerisch betätigen. Im Haus der Familie wurde musiziert, gemalt und gebastelt und das Demokratie-Glücksrad gedreht, im Kindertreff Delbrücke getanzt und die Wand am Kinder- und Jugendhaus der Caritas mit einem fantasievollen Wandbild verschönert. Beim Abschluss in der Adar Schule wurde es bald ziemlich eng in den Räumen, so groß war das Interesse.
Für die Jugendlichen zählten sicher die Ausflüge zu den Highlights. Wir waren auf verschiedenen Fotorallyes unterwegs: im Kiez im Carl-Weder-Park und am Teltowkanal und darüber hinaus im Bezirk. Ganz besonders gefallen hat ihnen der Besuch auf dem Fernsehturm im Mai 2024 und natürlich in den Britzer Garten im Sommer 2025 .
Neben der fotografischen Erkundung ihrer Umwelt haben sich die Kinder und Jugendlichen auch mit dem Sound auf den Straßen auseinandergesetzt und festgehalten, wie beim Workshop „Soundwalk und Soundmapping“. Gut angekommen sind besonders bei den Kindern die Comic-Zeichnen und Zine-Workshops und nicht zu vergessen die Musik-Workshops. Auch bei den Ausflügen ins Medienkompetenzzentrum und in die Mädchen*räume im Rahmen der „Woche der Kulturellen Bildung“ gab es eine rege Beteiligung.
Wo gab es besonders viel Freude bei der Durchführung des Projektes? Das war für uns der persönliche Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen. Die vielen Gespräche und der Kontakt mit ihnen machen für uns den Erfolg des Projektes aus. Es war eine Freude zu sehen, wie neugierig sie auf die angebotenen Materialien waren, wie sie sie benutzten und sich ganz in den Gestaltungsvorgang vertiefen konnten. Es war eine Bestätigung unserer Arbeit, wenn Kinder und Jugendliche bei Veranstaltungen großes Interesse zeigten und bis zum Ende blieben, Sachen ausprobierten und offen waren für Neues, was für sie bis dahin eher als „uncool“ galt. Dazu gehörten die Workshops zur Analogfotografie und Communitymusik sowie das Bauen, Schrauben und Sägen mit Holz.
Unsere Zielgruppe hatte sich im Laufe des Projektes erweitert. Dazu gehörten junge Besucher*innen des Jugendclubs „Underworld“ bis 20 Jahre sowie junge Frauen von 16 bis 20 Jahren. Bei Aktionen auf dem nahe gelegenen Spielplatz Bendastraße kamen vor allem Kinder bis 14 Jahre.
Probleme? Bei aller Begeisterung der Kids – ja, gab es auch. Eines davon war die Verbindlichkeit. Vorankündigungen für Aktionen ein bis zwei Wochen im Voraus erwiesen sich als zu lange, es wurden dann einige Tage. Mit der Einbindung der Eltern klappte es dann auch besser. Wir hätten uns gerne mehr Flexibilität von allen Projektbeteiligten gewünscht, auch bei den Kooperationspartnern. Eine weitere Hürde war das zu geringe Angebot an Treffpunkten, insbesondere auf der anderen Seite der Hermannstraße. Dort fehlen Einrichtungen für Jugendliche, an die wir anknüpfen konnten.
Was bleibt? Auch über das Projekt hinaus ist das Team mit den Jugendlichen in Kontakt. Wir werden sie für öffentliche Veranstaltungen im Rahmen des von uns betreuten Projektes „MusiKIEZieren“ in die Planung und Umsetzung mit einbeziehen.
Kleine Fotogalerie der Projektbausteine
