Seit inzwischen drei Jahren läuft das Projekt „Vorschularbeit für Kinder ohne Kitaplatz” im „Haus der Familie”. Ursprünglich wurde das Angebot ins Leben gerufen, um Kinder im Vorschulalter, die keinen Kitaplatz haben, frühzeitig zu unterstützen. Viele dieser Kinder hatten einen erhöhten Bedarf an sprachlicher Förderung und schulvorbereitenden Angeboten. Ziel war es daher, ihre Sprachkompetenzen zu stärken, sie in ihrer Entwicklung zu begleiten und sie bestmöglich auf den Schulstart vorzubereiten.
Die Rahmenbedingungen haben sich seit Projektbeginn deutlich verändert. Während zu Beginn ein Mangel an Kitaplätzen bestand, hat sich die Situation inzwischen gewandelt. Durch sinkende Geburtenzahlen und den Ausbau von Betreuungsplätzen stehen mittlerweile mehr Kitaplätze zur Verfügung. Infolgedessen wurde das Projekt weiterentwickelt und für eine breitere Zielgruppe geöffnet: Heute richtet sich das Angebot an alle Kinder zwischen drei und fünf Jahren, unabhängig davon, ob sie bereits eine Kita besuchen.
Diese Öffnung hat sich als großer Gewinn erwiesen. Heterogene Gruppen fördern den sprachlichen Austausch, bieten Orientierung durch Sprachvorbilder und stärken die sozialen Kompetenzen der Kinder.
Die Angebote finden weiterhin regelmäßig im Familiencafé des Hauses der Familie statt und werden gut angenommen. Im Durchschnitt nehmen etwa sechs Kinder pro Termin teil. Die offene und niedrigschwellige Struktur ermöglicht einen unkomplizierten Zugang und schafft einen geschützten Rahmen, in dem Kinder soziale Kontakte knüpfen und voneinander lernen können.
Inhaltlich setzt das Projekt auf alltagsintegrierte Förderung: Sprachkompetenzen werden durch gemeinsames Singen, Vorlesen und Gesprächsrunden gestärkt. Mathematische Vorläuferfähigkeiten entstehen spielerisch im Alltag, etwa durch Zählen, Sortieren oder einfache Regelspiele. Gleichzeitig werden sozial-emotionale Kompetenzen gefördert, indem die Kinder lernen, sich in Gruppen zurechtzufinden, Regeln einzuhalten, Konflikte zu lösen und Rücksicht aufeinander zu nehmen. Rituale wie Begrüßungs- und Abschlussrunden geben dabei Orientierung und Struktur.
Auch die motorische Entwicklung wird gezielt unterstützt, durch Bastelangebote, Malen sowie Bewegungsangebote im Innen- und Außenbereich, beispielsweise auf Spielplätzen oder im Park. Darüber hinaus wird die Selbstständigkeit der Kinder gestärkt, etwa beim Aufräumen oder bei kleinen Aufgaben im Gruppenalltag.
Für den Träger ist insbesondere die direkte Arbeit mit den Kindern ein zentraler Motivationsfaktor. Es ist deutlich erkennbar, wie die Kinder im geschützten Rahmen Vertrauen aufbauen, sprachlich sicherer werden und sich zunehmend aktiv in die Gruppe einbringen.
Als Erfolge zeigen sich vor allem die stabile Teilnahme der Kinder trotz veränderter Rahmenbedingungen, die positive Wirkung gemischter Gruppen auf Sprach- und Sozialverhalten sowie die gute Einbindung des Angebots in das Haus der Familie.
Neben der ursprünglich adressierten Zielgruppe – Kinder ohne Kitaplatz – werden inzwischen auch Kinder mit Kitaplatz erreicht, die zusätzlichen Förderbedarf haben. Darüber hinaus gelingt es, Familien anzusprechen, die sonst nur schwer an Unterstützungsangebote angebunden sind.
Das Projekt ist gut im Sozialraum vernetzt und arbeitet unter anderem mit Kitas, Schulen, Beratungsstellen, dem Kinder- und Jugendgesundheitsdienst sowie weiteren sozialen Einrichtungen zusammen. Besonders bewährt haben sich die persönliche Ansprache der Familien sowie die enge Kooperation mit bestehenden Angeboten im Haus der Familie.
Das Projekt befindet sich aktuell in einer fortgeschrittenen Umsetzungsphase. Wichtige Meilensteine wurden bereits erreicht: der erfolgreiche Aufbau des Angebots, die kontinuierliche Durchführung über mehrere Jahre sowie die Anpassung an veränderte Bedarfe durch die Erweiterung der Zielgruppe. Das Angebot ist inzwischen stabil im Sozialraum verankert. Derzeit liegt der Fokus auf der weiteren Sicherung und bedarfsgerechten Weiterentwicklung des Projekts.
Zu den zentralen Herausforderungen zählen schwankende Teilnehmendenzahlen aufgrund der veränderten Kitaplatzsituation und der Wegfall bzw. die Reduzierung öffentlicher Förderprogramme im Bereich Sprachbildung.
Diesen Herausforderungen wurde aktiv begegnet, unter anderem durch die Öffnung des Angebots für weitere Zielgruppen und die Anpassung der Angebotszeiten.
In der aktuellen Projektphase steht die weitere Anpassung an die veränderten Bedarfe im Mittelpunkt. Gleichzeitig gewinnt das Projekt vor dem Hintergrund wegfallender Förderstrukturen zunehmend an Bedeutung. Ziel bleibt es, Kinder frühzeitig in ihrer Entwicklung zu unterstützen, Familien anzubinden und einen wichtigen ergänzenden Beitrag zur sprachlichen und sozialen Förderung im Quartier zu leisten.
Fotos: Kleiner Fratz GmbH
