Dem QM-Gebiet Glasower Straße geht es so wie vielen Stadtteilen in Berlin und besonders Neukölln: dichter Autoverkehr, viel Lärm und Feinstaub. Insbesondere Kinder und Jugendliche, aber auch Frauen sowie Menschen mit Flucht- oder Migrationsgeschichte sind in ihrer Mobilität und der Teilhabe am öffentlichen Leben einschränkt. Für die einen ist das Fahrrad eine mögliche Alternative, um sich im Stadtverkehr zu bewegen, für andere nicht. Da spiegeln sich auch die Erfahrungen wider, die die Menschen im öffentlichen Verkehr, auf den Straßen und Gehwegen gemacht haben.
Das neue Projekt „HabiBici – Teilhabe durch aktive Mobilität“, das am 1. April 2026 startete, will da mit verschiedenen Angeboten gegensteuern. Martin Görendt, Projektkoordinator, erläutert das Projekt.
Was bedeutet „HabiBici”?HabiBici ist ein Kunstwort aus „Habibi” und „Bici”. Habibi kommt aus dem Arabischen und wird heute in der Jugendsprache als herzliche Anrede unter Freunden verwendet. Bici ist das italienische oder spanische Kurzwort für Fahrrad. Zusammen klingen die beiden Wörter nicht nur gut – sie bringen auch die Wärme und Freude zum Ausdruck, die hinter dem Projekt stecken. Denn für uns ist das Fahrrad mehr als ein Fortbewegungsmittel: Es kann Menschen zusammenbringen und Freundschaften entstehen lassen.
Warum wurde das Projekt gerade hier gestartet?
Im Quartier rund um die Glasower Straße dominiert der Autoverkehr – das macht das Radfahren für viele Anwohnerinnen und Anwohner unsicher. Besonders Frauen, Kinder, Jugendliche und Menschen mit Fluchterfahrung sind dadurch in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Mit „HabiBici“ wollen wir auf dieses Problem aufmerksam machen und gleichzeitig konkrete Angebote schaffen, um die typische Hürden abzubauen, die Menschen in ihrer Mobilität einschränken – etwa ein kaputtes Fahrrad oder fehlendes Sicherheitsgefühl im Straßenverkehr.
Welche Ziele haben Sie?
Wir wollen Menschen fürs Radfahren begeistern, ihr Sicherheitsgefühl im Straßenverkehr stärken und so dazu beitragen, dass alle gleichberechtigt am städtischen Leben teilhaben können.
Wie soll das umgesetzt werden?
Wir kommen mit einer mobilen Fahrradwerkstatt direkt in den Kiez und bieten kostenlose Reparaturen an. Gemeinsam mit anderen sozialen Einrichtungen wollen wir außerdem niedrigschwellige Angebote wie Workshops, gemeinsame Ausfahrten und Austauschformate auf die Beine stellen.
Gibt es schon erste Aktionen?
Nächste Woche helfen wir beim Spielplatzfest an der Bendastraße am 30. Mai zum ersten Mal mit unserer mobilen Fahrradwerkstatt den Anwohnenden mit Rat und Tat bei Fahrradreparaturen. Am 9. Mai nehmen wir an der „Kidical Mass“ teil und am 28. Mai sind wir beim Kaffeetrinken auf dem Kranoldplatz dabei – wieder mit der mobilen Werkstatt.
Welche Zielgruppe oder Gruppen wollen Sie ansprechen?
Unsere mobile Fahrradwerkstatt kann von allen Anwohnenden genutzt werden. Darüberhinaus soll es Angebote speziell für Frauen, Kinder- und Jugendliche und Menschen mit Fluchterfahrung geben.
Wie werden die Menschen im Kiez mit einbezogen?
Alle können sich aktiv einbringen – zum Beispiel durch ehrenamtliches Engagement in unserem Verein „Rückenwind e. V.“. In speziellen Technik-Workshops lernen Interessierte, einfache Reparaturen selbst durchzuführen und bei der mobilen Werkstatt mitzuhelfen. Wer Ideen oder Vorschläge hat, kann uns natürlich auch einfach persönlich ansprechen.
Welche Kooperationspartner gibt es bereits?
Noch haben wir keine festen Partner, aber wir sind gerade dabei, Kontakt zu Familienzentren und Jugendeinrichtungen aufzubauen. Außerdem suchen wir noch einen sicheren Stellplatz, an dem wir unser Lastenfahrrad abstellen können. Wer da helfen kann, bitte bei uns melden!
Was soll von dem Projekt nach Beendigung erhalten bleiben?
Wir versprechen keine Wunder – aber wenn sich die Teilnehmenden am Ende sicherer auf dem Rad fühlen und das Radfahren im Kiez insgesamt mehr Akzeptanz findet, haben wir schon viel erreicht. Ganz konkret soll die mobile Fahrradwerkstatt dauerhaft im Kiez bleiben und eigenständig von ehrenamtlichen Anwohnenden betrieben werden.
Wie kann man Kontakt zu Ihnen aufnehmen?
Entweder bei Aktionen und Veranstaltungen oder per E-Mail.
Können Sie sich und den Verein kurz vorstellen?
Der gemeinnützige Verein „Rückenwind e. V.” besteht bereits seit über zehn Jahren und ist mit seiner Arbeit im Bezirk Neukölln verankert. Die Förderung von ehrenamtlicher Arbeit und nachhaltiger Mobilität, insbesondere für ausgegrenzte oder sozial benachteiligte Gruppen liegt uns besonders am Herzen. Lange Zeit war das Reparieren und Weitergeben von alten Spendenrädern an Menschen mit Fluchterfahrung unser „Kerngeschäft“, mittlerweile setzen wir auch andere Integrationsprojekte erfolgreich um.
Ich bin fast genauso lange im Verein aktiv. Zunächst als freiwilliger Schrauber, dann mehr und mehr in der Administration und Projektleitung. Ich bin in Berlin aufgewachsen und habe ursprünglich mal Soziologie studiert. Meine Erfahrungen und meine Begeisterung rund ums Rad bringe ich jetzt gerne im Projekt „HabiBici” ein.
Foto: Rückenwind e. V.
