Das Projekt „Gutes Klima für den Kiez“ begann am 1. Oktober 2022 im Quartier Glasower Straße mit dem Ziel, das Angebot an Freiflächen qualitativ zu verbessern und – wo möglich – weiterzuentwickeln. Im Auftrag des Projektträgers, dem Verein Freilandlabor Britz e. V., wurde eine Karte mit den vorhandenen Freiflächen erstellt: Wie werden sie genutzt? Sind sie als Treffpunkte für die Nachbarschaft geeignet? Oder bieten sie Möglichkeiten gemeinschaftlichen Gärtnerns? Natürlich sollten auch neue Standorte gefunden werden für verschiedene Ziel- und Altersgruppen.
In dieser Zeit beteiligte sich das Projekt an Veranstaltungen im Kiez, um sich vorzustellen, Kontakte zu knüpfen und Ideen und Vorschläge zu sammeln: Beim „Kaffeetrinken auf dem Kranoldplatz“, beim „Tag der Städtebauförderung“, wo Anzuchtkästen gebastelt und Gemüse und Blumen ausgesät wurden, beim Dezentralen Kiezfest, wo Nisthilfen für Insekten gebaut werden konnten, beim Tausch- und Sperrmüllmarkt, wo Notizblöcke aus Restpapier hergestellt wurden, beim Kiezfest auf dem Kranoldplatz zusammen mit dem Kulturlabor Trial & Error, wo über Umwelt- und Müllthemen gesprochen wurde. In den Sommerferien gab es zwei Spielplatzaktionen mit Experimenten und Windmühlen basteln. Im Herbst wurden dann in der Kita „Kleiner Fratz“, im Haus der Familie, in der Kita Silbersteinstraße und dem Familienpunkt in der Jahnstraße Blumenzwiebeln für den Frühling gepflanzt.
2024 startete eine Kampagne, um Patenschaften für Straßenbäume im Quartier zu fördern. Neben der Zürich-Grundschule haben fünf Einrichtungen und Anwohnende Patenschaften für 18 Straßenbäume übernommen.
Für die Kindereinrichtungen und das Haus der Familie wurden die Umrandungen mit verschiedenen farbigen Holzbildern geplant und gebaut und von den Kindern gestaltet, unterstützt von Studierenden für Soziale Arbeit.
Die Zürich-Grundschule hat sich bereit erklärt, Patenschaften für die Bäume an der Wederstraße und der Bürgerstraße vor dem Schulgelände zu übernehmen. Dafür wurden Bewässerungssäcke besorgt und gemeinsam mit den Kindern angebracht und gefüllt. Leider mussten die Säcke an der Bürgerstraße wegen einer Baumaßnahme wieder abgenommen werden.
Im April und Mai war dann Pflanzzeit vor der Kita, dem Haus der Familie, dem Kinder- und Jugendhaus St. Josef und dem Jugendclub Spin-Off. Mit großer Begeisterung buddelten selbst die Jüngsten in der Erde, entfernten Müll und Steine und brachten neue Erde auf. Zudem wurden standortangepasste Pflanzen eingesetzt. Für die Bäume gab es Bewässerungssäcke. Dem Baum vor der Kid’s im Dialog gGmbH haben die Kinder einen Namen gegeben – „Spidermine“. Nicht mehr alle Zaunumrandungen sind noch vorhanden, einige sind leider dem Vandalismus zum Opfer gefallen.
Besonders im Sommer erhitzt die Sonne den Schulhof der Zürich-Grundschule. Eine Begrünung der Pergolen auf dem Schulhof sollte Abhilfe schaffen. Dafür wurden zehn Hochbeete besorgt und zusammen mit Schülerinnen und Schülern mit Kletterpflanzen, Stauden und Frühblühern bepflanzt.
Auch am Kulturbunker wurden durch das Projekt Verbesserungen herbeigeführt: Bei Veranstaltungen dienen die Podeste auf dem Dach des Bunkers für verschiedene Zwecke. Sie waren aber inzwischen so verrottet, dass 2024 das alte Holz entfernt und durch neue, witterungsbeständige Hölzer ausgetauscht wurde.
Anfang 2025 wurde dann wieder gebaut, dieses Mal am Durchgang zur Bruno-Bauer-Straße vor der VIA gGmbH. Mit Klientinnen und Klienten der Einrichtung wurden im April und Mai sieben Beete mit einer Bank-Kombination aus Paletten gebaut und bepflanzt. Der Garten erhielt einen Staketenzaun, um einer Vermüllung und Verschmutzung durch Hundekot entgegenzuwirken. Zusätzlich wurde ein Komposter von VIA angeschafft und eine Regentonne aufgestellt. Sie ermöglichte das Gießen der Beete. Für die Rasenpflege wurde auch ein kleiner Rasenmäher angeschafft. Die Pflege der Beete wird vom pädagogischen Personal angeleitet und von den Bewohnenden durchgeführt. Die Pflanzen gediehen üppig, die Bänke wurden zum Verweilen genutzt. Doch leider gab es auch dort Vandalismus. Zudem besteht ein großes Rattenproblem, da auf den benachbarten Flächen sehr viel Müll abgeladen wird. Deshalb wurde Kontakt zum Gesundheitsamt des Bezirks aufgenommen.
Die Seniorenwohnanlage „Pflege & Wohnen Sunpark“ und die benachbarte Kita Silbersteinstraße hatten den Wunsch, einen Gartenbereich zu entwickeln. Dafür stand im Sunpark eine freie Fläche in der Nähe der Kita zur Verfügung. Ein Tor verbindet nun das Kitagelände mit dem Sunpark. Vom Freilandlabor Britz wurde eine barrierefreie Beet-Bank-Kombination mit zwei für Rollstühle unterfahrbaren Beeten entwickelt. Die Bänke zwischen den Beeten dienen auch dazu, dass auch die Kitakinder die Beete pflegen können. Die Bepflanzung musste wegen der schattigen Lage des Bereiches besonders sorgfältig gewählt werden. Für das Projekt wurden noch Gartengeräte angeschafft. Jetzt pflegen Bewohnerinnen und Bewohner vom Sunpark die Beete.
Auch eine weitere Kita hat eine ökologische Aufwertung ihres Geländes bekommen: Der Zugang zur AWO Kita Krümelkiste war wenig einladend, nur eine eintönige Rasenfläche, die oft auch durch das angrenzende Parken von Autos belastet wurde.
Inzwischen ist die Fläche mit einer vielfältigen Bepflanzung umgestaltet. Eltern haben Wildrosen, essbare Ölweide und verschiedene Stauden gepflanzt. Nach einer Idee des Freilandlabors steht dort eine halbrunde, kindergerechte Bank – gebaut von der Tischlermeisterin Madita Sieg. Sie schützt zum einen die Pflanzfläche vor dem ruhenden Verkehr und schafft gleichzeitig einen kleinen Treffpunkt vor der Kita. Kleine Findlinge rahmen die Pflanzfläche ein, damit dort keine Autos parken. Auch auf dem Kitagelände wurde einiges verändert: neue Pflanzkübel aufgestellt und die Erde für die Kräuter- und Gemüsebeete erneuert. Im Außenbereich gibt es außerdem Kreidetafeln und selbst bemalte Tafeln am Zaun.
Im Juni 2025 wurde im Familienpunkt in der Jahnstraße gemeinsam mit Familien die Gartenfläche saniert, Kompost gesiebt, neue Erde auf die Beete eingebracht, Trittsteine selbst hergestellt und gestaltet, Insektennisthilfen gebastelt und neue Pflanzkübel auf der Terrasse bepflanzt. Im Frühjahr 2026 gab es eine weitere Aktion mit Eltern und Kindern. Dabei wurden die Weidentunnel zurückgeschnitten, Pflanzkästen mit Kräutern bepflanzt, „essbare Sommerblumen“ ausgesät und Bewässerungsschläuche für die Beete beschafft. Das Gartenprojekt wird weiterhin durch eine Mitarbeiterin betreut.
Auf der Terrasse des Familienzentrums sollten neue Hochbeete aufgestellt und bepflanzt werden. Im Juni 2026 wurden zwei Stufenbeete und fünf Hochbeete aufgestellt. Familien halfen bei der Aufstellung mit. Da der Bereich sehr schattig ist, wurden spezielle Stauden und Kräutern ausgewählt.
Um Regenwasser in einer Regenbank zu sammeln und einzusetzen, wurden 2025 alle Einrichtungen im Quartier angeschrieben. Daraufhin meldeten sich der Verein Murx e. V. in der Karl-Marx-Straße und das Seniorenwohnheim Haus Rixdorf. Insgesamt vier Regenbankmodule wurden aufgestellt und angeschlossen. 2026 erhielt auch das Petruswerk am Mariendorfer Weg ein Regenbankmodul für einen Innenhof.
Im März unterstützte das Freilandlabor eine Aktion im Haus Rixdorf. Ein Bereich des Gartens sollte für die Bewohnerschaft neugestaltet werden. Dazu wurden in dem Bereich Sträucher und Stauden umgesetzt. Die selbst gebaute Bank-Beet-Kombination aus Paletten wird gerne gut genutzt. Die Bewohnerinnen und Bewohner haben auch selbst Pflanzen mitgebracht, um ihm zu verschönern.
Für die Unterstützung des Unterrichts erhielt die Zürich-Grundschule neue Infotafeln für einige Standorte im Schulgarten. Angeschafft wurden auch Bewässerungsschläuche für ein Gemüsebeet, um die Trockenperioden besonders in den Sommerferien und an den Wochenenden zu überbrücken und die Ernte zu gewährleisten.
2025 wurde als erstes Bauprojekt im Quartier der Spielplatz an der Silbersteinstraße neu gestaltet. Als gestalterisches Thema wurde „Wildtiere in der Stadt“ gewählt. Zwischen den Spielgeräten tummeln sich nun Wildschweine, Hasen und anderes Getier aus Beton, auf großen Masten und an Zäunen sitzen metallene Vögel. In Abstimmung mit dem Grünflächenamt wurden Schilder mit QR-Codes vom Freilandlabor entwickelt. So können die Stimmen der Tiere mit dem Smartphone abgerufen werden. Eine Informationstafel stellt die Tiere in Kurzportraits vor. Im Rahmen der Aktion „WONK-Wundervolle Orte in Neukölln“ fand eine Spielplatzaktion mit Quiz ebenfalls zum Thema Wildtiere statt.
Neben den Projekten in den Einrichtungen gab es auch in den Jahren 2024 bis 2026 bei Veranstaltungen eine gute Zusammenarbeit mit anderen Projektträgern im Kiez. Zum „Tag der Städtebauförderung“ 2024 wurden Anzuchtkästen und Insekten-Nisthilfen gebastelt. Es wurde über die Straßenbaum-Patenschaften informiert und eine Ausstellung mit Tipps zum Balkongärtnern präsentiert, die anschließend im Familienzentrum zu sehen war. 2025 stellte das Freilandlabor auf einem grünen Spaziergang durch den Kiez seine Projekte vor.
Bäume und ihre Pflege waren auch immer wieder Thema beim Kaffeetrinken auf dem Kranoldplatz und den Dezentralen Kiezfesten.
Im Juli 2026 endete das Projekt. Projektleiterin Ursula Müller blickt zurück auf drei Jahre intensive Arbeit. Was waren für sie die Highlights? „Da gab es so einige“, erinnert sie sich. „Zum Beispiel der Bau der Sitzecke im Sunpark und das Bepflanzen der Hochbeete, die nun von den Bewohnerinnen und Bewohnern gepflegt werden. Oder das Regenbank-Projekt. Die Regenbankmodule in den drei Einrichtungen sammeln nicht nur kostbaren Regen, sie sind auch praktische und schöne Sitzgelegenheiten. Ein Herzensprojekt war auch der Gemeinschaftsgarten vor der VIA gGmbh. Schön zu sehen, dass er von den Anwohnenden angenommen wurde, auch wenn es immer wieder Vandalismus gab. Viel Freude hat das Bepflanzen der Baumscheiben mit den Kindern gemacht. Ebenso wie die Pflanzaktionen auf der Terrasse am Haus der Familie und die Neugestaltung des Eingangsbereiches der Awo-Kita „Krümelkiste“. Ein Schwerpunkt unserer Arbeit waren ja die Straßenbäume. Da freut es mich besonders, dass die Zürich-Schule Straßenbaum-Patenschaften übernommen hat. Sie sind die einzigen, die aktiv Straßenbäume pflegen. Leider wurden in der Glasower Straße die Umrandungen der Baumscheiben zerstört oder stark beschädigt, da gab es dann keine Motivation mehr für die Pflege. Und nicht zu vergessen: Auf dem Spielplatz Silbersteinstraße sind nun Stimmen von Wildtieren zu hören, das ist gerade für Stadtkinder etwas Besonderes.“
Aber das Projekt musste auch Rückschläge hinnehmen. Nicht alles, was geplant war, ließ sich umsetzen, weil Genehmigungen fehlten oder zu lange dauerten oder Vorschriften im Wege waren. „Ja, zum Beispiel bei der Umgestaltung im Bereich des Carl-Weder-Parks. Da gab es keine Genehmigungen von der Autobahn GmbH. Oder die Nutzung von Regenwasser im Straßenland, da bremsten einzuhaltende Vorschriften die Motivation der Beteiligten. Planungsverzögerungen gab es auch bei der Begrünung des Kranoldplatzes.“ Manchmal waren es aber auch organisatorische Probleme, die einem Vorhaben im Wege standen. „Die hatten wir bei der Fassadenbegrünung am Spielplatz Walterstraße. Aber wir haben dem Eigentümer Informationen dazu weitergegeben. Auf der Fläche des Kulturbunkers wurden nur die Podeste erneuert. Da die weitere Pflege nicht geklärt war, mussten wir auf die Begrünung verzichten.“ Manchmal konnten trotz breiter Werbung keine Bewohnerinnen und Bewohner für die Ideen begeistert werden, beispielsweise bei Patenschaften für Straßenbäume. Da gab es dann Absprachen mit den Einrichtungen.
Und wie geht es weiter? „Ich denke, wir haben nachhaltige Projekte geschaffen, die Einrichtungen waren eigentlich alle sehr glücklich darüber. Im Rahmen unserer Kapazitäten werden wir sie weiter beobachten und dazu gegebenenfalls auch Beratung anbieten. Ohne das Engagement der Beteiligten wäre die Arbeit im Quartier sehr schwierig gewesen, es hätte aber auch hier und da etwas mehr sein können.“
Was alles erreicht wurde, kann man sich hier noch einmal ansehen.
