Einsatz für den Emmauswald

Die Bürgerinitiative „Emmauswald bleibt“ sowie die Umweltverbände BUND Berlin und NABU Berlin luden am 19. März 2026 zu einem Spaziergang durch den Emmauswald und einem anschließenden Austausch ein.

Der knapp vier Hektar große Emmauswald mit rund 800 Bäumen und zahlreichen geschützten Tierarten ist bedroht: Auf der Hälfte der Fläche will die BUWOG, eine Tochter des Wohnungsunternehmes Vonovia, 440 Eigentumswohnungen bauen, auf einer angrenzenden Brachfläche am Mariendorfer Weg sollen 230 Sozialwohnungen entstehen.

Ein Bebauungsplan hatte in der Bezirksverordnetenversammlung Neukölln bereits 2023 keine Mehrheit gefunden, deshalb zog der Berliner Senat die Planungen an sich. Nach Meinung von Jochen Biedermann, Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr, sollte die Entscheidung, ob die Fläche bebaut wird oder nicht, lokal entschieden werden, und deshalb die Zuständigkeit für den Bebauungsplan wieder zurück an den Bezirk gehen. 

Im Berliner Abgeordnetenhaus wurde im Januar dieses Jahres der Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan für das Grundstück Emmauskirchhof West (Bebauungsplan XIV-286a) aufzuheben, an die Ausschüsse für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sowie für Umwelt- und Klimaschutz verwiesen.

Das Areal des Emmauswaldes gehörte zum 1878 erbauten und noch betriebenen Friedhof der Emmaus-Gemeinde. Bevor ein Teil der Fläche entweiht wurde, gab es dort bis in die 1980-er Jahre noch Bestattungen. Die Natur eroberte sich das Gelände zurück, sodass die Berliner Forsten es 2023 zum Wald erklärten, übrigens der größte in Neukölln. Doch für den Wohnungsbau müssten viele Bäume gefällt und größere Bereiche versiegelt werden.

Das will die 2022 gegründete Initiative „Emmauswald bleibt!“ verhindern. Dabei sind sie nicht generell gegen Wohnungsneubau, es geht ihnen um bezahlbaren, sozialen und umweltgerechten Wohnraum und nicht um teure Eigentumswohnungen. 
Für Alina und Judith von der Initiative ist die alte Eiche in der Nähe des Mariendorfer Weges ein Symbol. „Sie ist über 250 Jahre alt und steht für das, was diesen Wald ausmacht: ein einzigartiges Biotop mit besonderem ökologischen Wert in einem stark belasteten Kiez.“ Gut ein Viertel der Bäume, zu denen Linden, Eichen, Ahorn und Kastanien gehören, wurden laut Kartierung des Bezirkes als erhaltenswert eingestuft. Sie dienen rund 20 geschützten Vogelarten, darunter Habicht, Grünspecht und Waldohreule, als Lebensraum. Auch Igel und Füchse sowie seltene Insekten finden vor Ort gute Bedingungen vor. 

Für die Teilnehmenden des Spaziergangs gab es so einiges auch abseits der Trampelpfade zu entdecken ...

Janna Einöder, Referentin für Stadtgrün beim Naturschutzbund Berlin, hebt auch noch eine andere, wichtige Funktion des Waldes hervor – die Wirkung von Bäumen auf das Stadtklima. Sie kühlen im Sommer die Luft um einige Grad herunter, wirken als Filter gegen Luftverunreinigungen und sorgen für die Versickerung des Regenwassers. Stadtwälder sind Orte der Erholung für alle Bevölkerungsschichten und dienen als „grünes Klassenzimmer“ für Kinder und Jugendliche. Für Janna Einöder lohnt sich ein Besuch des Emmauswaldes zu jeder Jahreszeit, es gäbe immer etwas zu entdecken. Deshalb mahnt sie nachdrücklich: „Der Verlust dieser Fläche wäre ein massiver Rückschritt für den Naturschutz und Berlins selbstgesetzte Klimaziele.“

Auch aus diesem Grund hat die Initiative „Emmauswald bleibt“ 2022 eine Petition gestartet, um die geplanten Eigentumswohnungen zu verhindern und die Fläche zu schützen. Die Bebauung der Brache mit Sozialwohnungen werde aber befürwortet. Und sie wollen als Anwohnende in den Prozess mit einbezogen werden. Mehr als 21.600 Menschen haben die Petition bereits unterzeichnet. Und sie haben noch einiges mehr erreicht: „Wir sind mit dem Bezirk und der BVV ins Gespräch gekommen und glücklicherweise auf total offene Ohren gestoßen“, betonen Alina und Judith. 

Nach dem Rundgang trafen sich die Teilnehmenden im nahe gelegenen Café „Lulo” zu einer Gesprächsrunde mit Vertreter*innen der Initiative „Emmauswald bleibt“, dem NABU Berlin, der Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz (BLN) und dem BUND Berlin.

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