Sommer-Kino im Körnerpark

Das Programm des Freiluftkinos im Körnerpark hat das Publikum gewählt. Die Vorführungen finden am 14., 21. und 28. Juli 2023 statt und starten jeweils um 21 Uhr. Der Eintritt ist wie immer frei, aber Spenden sind willkommen.

Das Programm:
14. Juli 2023: Goldhammer
21. Juli 2023: Liebe Angst
28. Juli 2023: Taming the Garden

Falls das Wetter nicht mitspielt, gibt es hier die Infos dazu. 

Die Filme

Goldhammer
Regie: André Krummel & Pablo Ben Yakov
Dokumentarfilm, D 2023, 93 min., deutsch/englisch, mit Untertiteln
Marcel Goldammer, schwuler Sex-Arbeiter im Ruhestand, will in die Politik und schnell nach oben. Nicht aus Überzeugung, sondern weil es geht. Und zwar bei den Neuen Rechten. Allerdings führt Marcel sein Leben weniger heimatverbunden als weltbürgerlich, weniger konservativ als queer, er ist nicht der typische „kleine Mann“, sondern ein Intellektueller ohne Studienabschluss und Lebemann mit Suchtproblemen. Geboren als deutscher Christ, lebt er heute als jüdischer Israeli in Tel Aviv und Berlin, liiert mit einem jungen Shanghaier, dessen scheinbar unendlicher Reichtum Marcels ausschweifenden Lebensstil ermöglicht.
Der Film blickt erstaunlich offen hinter die Fassade eines Millennials auf dem Weg zum Populisten und stellt sich der Frage, wie man glaubt, sich immer noch im Spiegel betrachten zu können, wenn man sich für eine menschenverachtende Partei prostituiert hat. Gerade vor dem Hintergrund der jüngsten rassistischen Übergriffe in Neukölln wirkt dieser Film wie eine üble Dystopie, die aktueller aber nicht sein könnte.

Liebe Angst
Regie: Sandra Prechtel
Dokumentarfilm, D 2023, 81 min.
Lore war sechs Jahre alt, als ihre Mutter Marianne Seligsohn nach Auschwitz deportiert wurde. Lore Kübler ist eine „DP“ – eine Displaced Person, bis zum heutigen Tag. Von morgens bis abends schreibt sie Artikel aus dem Weser-Kurier auf Karteikarten, archiviert sie in Kisten, Körben und Kartons. Kim ist die Tochter von Lore. Kim hat ihre Musik, ihre Hunde, ihren Glauben. Sie kämpft gegen die Angst, um ein Stück Normalität, um den Boden unter den Füßen.
Ein Leben lang hat ihre Mutter nicht gesprochen: nicht über Marianne, Kims Großmutter, nicht über das Versteck, in dem Lore als Kind überlebt hat, nicht über Tom, Kims Bruder, der sich das Leben genommen hat. Aber Kim will reden: über die Kindheit mit Lore, über Tom, über die beschädigten Leben beider.
Der Film begleitet aus großer Nähe den Prozess der Annäherung zwischen Mutter und Tochter, ihre Wut, ihre Kraft, und eine Liebe, die immer da war, aber nicht gelebt werden konnte.

Taming the Garden
Regie: Salomé Jashi
Dokumentarfilm, CH/D/G 2021, 92 min., Originalfassung mit deutschen Untertiteln

Ein alter Baum mit ausladender Krone schwimmt über das Meer. Was sich nach einem surrealistischen Gemälde anhört, ist eines der betörendsten Bilder aus Salomé Jashis „Taming the Garden”. Betörend und gleichzeitig ambivalent. Denn dieser Baumtransport ist Teil eines aberwitzigen Projekts. Ein steinreicher und politisch mächtiger Mann sammelt alte Bäume, die er ausgraben und in seinen Garten bringen lässt. Warum er das tut, und was man davon halten soll, diskutieren die Beobachter kontrovers. Vielleicht einfach, weil er sich ein so exzentrisches Hobby leisten kann?
So absurd die Verpflanzungen anmuten, so sehr sind sie Sinnbild für Macht, unverschämten Reichtum und Bezwingung der Natur. Die Mühen der Entwurzelung macht der Film deutlich sicht- und hörbar. Mit schwerem Gerät wird den Bäumen zu Leibe gerückt, die Straßen in die Berge müssen erst gebaut werden, und jüngere Bäume gefällt, um den Transport zu ermöglichen. Das Holz ächzt, metallische Klänge mischen sich mit Vogelgeschrei.