Schwerpunktthema Silbersteinstraße beim 24. Quartiersrat

Die 24. Quartiersratssitzung am 11. Februar 2026 verlief etwas anders als gewöhnlich. Zum Auftakt trafen sich alle in der Adar Schule an der Silbersteinstraße 14. Das QM-Team begrüßte die Anwesenden und der Schulleiter und Gründer Ciwan Tengezar stellte die Schule und ihr Konzept vor. Dann gab es eine kurze organisatorische Erläuterung zum Ablauf, denn zum Sitzen sollten die Quartiersratsmitglieder in den nächsten 45 Minuten nicht kommen. Anwesend waren auch Gäste aus dem Bezirksamt Neukölln, die sich dem Quartiersrat an diesem Mittwochabend anschließen wollten, einen besonderen Fokus auf die Silbersteinstraße zu legen. Max Rehberger, Fachbereichsleiter für Allgemeines Städtebaurecht, Oliver Türk, Fachbereichsleiter für Besonderes Städtebaurecht und Christopher Dathe, zuständig für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Bezirksstadtrats Jochen Biedermann. Herr Rehberger und Herr Dathe stellten sich und ihre Arbeitsbereiche vor. Die Kurzvorstellung half den über zwanzig Anwesenden, sich zu einem der beiden Referierenden thematisch zuzuordnen. Und so machten sie sich in zwei Gruppen auf zu einem Spaziergang entlang der Silbersteinstraße, die ja eine wichtige Verkehrsstraße im Quartier ist. 

Zu seiner 24. Sitzung machte der Quartiersrat Station in der Adar Schule an der Silbersteinstraße.

Die erste Gruppe widmete sich den Bauvorhaben in der Straße. Gleich neben der Adar Schule gibt es eine schon lange bestehende Baugrube. Zumindest ein Gebäude ist dort im Entstehen. Es gibt dort auch weitere Bauplanungen, erläuterte Herr Rehberger. So soll die nebenan befindliche Werkstatt abgerissen und ebenfalls Wohnungen gebaut werden. Das große Bauprojekt der Ringbahnhöfe in nächster Nähe zur Silbersteinstraße ist wiederum nach der Insolvenz des ersten Investors derzeit immer noch nicht weiter in der Planung fortgeschritten, die Bebauung wird wohl noch etwas dauern. Etwas weiter an der Silbersteinstraße 80 errichtet eine Baugemeinschaft zwei Häuser mit 16 Wohnungen und vier Gewerbeeinheiten. An der Bambachstraße haben Abrissarbeiten begonnen. Hier sollen Wohnungen entstehen. Ob diese als Miet- oder Eigentumswohnung angeboten werden sollen, ist nicht bekannt und in der Regel nicht steuerbar. Auch den Neubau von Mikroapartments, möblierte oder teilmöblierte Wohnungen mit meist weniger als 30 Quadratmeter Wohnfläche, die als moderne Kapitalanlage angepriesen werden, kann das Bezirksamt meistens nicht verhindern, betonte Herr Rehberger, solange es das Baurecht hergäbe. Die Quartiersratsmitglieder sahen das kritisch. Sie befürchten, dass noch mehr nicht sozial verträgliche Wohnungen im Kiez entstehen. Letzte Station war der Aldi an der Kreuzung zur Eschersheimer Straße. Er wird zwar demnächst für einen neuen Gebäudekomplex mit 92 Mietwohnungen, darunter 24 öffentlich geförderte Einheiten, abgerissen, entsteht aber im Erdgeschoss neu.

Neben der Baugrube an der Adar Schule wird gebaut.

Die zweite Gruppe hatte sich das Thema Sauberkeit und Verkehr vorgenommen, gerade an der Silbersteinstraße ein großes Problem. Nach der Diskussion einiger Fragen war der erste Stopp am Eduard-Müller-Platz. Die Bemühungen einiger Anwohnenden, mithilfe des Aktionsfonds den Platz zu säubern und ansehnlicher zu gestalten, brachten nur kurzzeitig eine Verbesserung. Es gäbe Überlegungen, den Platz umzugestalten und dabei auch die Verkehrsführung zu verändern, sagte Herr Dathe von der Pressestelle des Baustadtrates Jochen Biedermann. Hier träfen die festgelegten Radrouten in der Silbersteinstraße und die Verbindung in Nord-Süd-Richtung aufeinander. Schon allein deswegen müsse hier etwas passieren. 

Erster Stopp am Eduard-Müller-Platz, wo es Überlegungen gibt, ihn umzugestalten.

Ein paar Meter weiter stoppte eine ausrangierte Matratze die Gruppe, einfach auf der Straße entsorgt. Allgemeines Kopfschütteln, denn bereits am 3. März gibt es von 13 bis 18 Uhr wieder einen BSR-Kieztag auf dem Kranoldplatz, wo man Sperrmüll gebührenfrei loswird. Auf ihrem weiteren Weg trafen die Quartiersratsmitglieder immer wieder auf vermüllte Orte. Auch mussten sie sich an auf den Gehwegen parkenden Autos vorbei drängeln. Das Problem wurde bereits im Bezirksamt erkannt und so gibt es erste Planungen, wie das Parken an der nicht sehr breiten Silbersteinstraße neu geordnet und die Situation für zu Fuß Gehende so entschärft werden könnte.

Die Silbersteinstraße hat ein Müllproblem - von Zigarettenkippen bis hin zu Matratzen.

Nachdem die beiden Gruppen im „Café LULO“ ankamen, stärkten sie sich erstmal mit warmen Getränken und einem leckeren Büfett. Dann ging es in den Austausch. Die Vertreter des Bezirksamtes bekamen den Auftrag, offene Fragen, die sich aus dem Spaziergang ergaben, zu beantworten oder weiterzuleiten: Warum stehen Bauzäune, obwohl die Bauarbeiten beendet sind? Wann kommt die Fahrradstraße an der Eschersheimer Straße? Wie kann die Parksituation auf der Silbersteinstraße verbessert werden? Ist ein Busparkplatz vor dem Motel geplant? Gibt es ein Verkehrskonzept für den Kranold-/Glasower-Kiez oder ist eines geplant?

Natürlich hatten sich die Quartiersratsmitglieder auch Gedanken gemacht und Ideen entwickelt für die Silbersteinstraße: die Frequenz der Busfahrten erhöhen, regelmäßige Kontrollen der Einhaltung von Parkregeln, die Abholung von Sperrmüll über die BSR App bekannter machen, monatlich einen BSR-Müllcontainer bereitstellen, Begrünung der Baumscheiben, eine Demo für ein Gesetz gegen Mikroapartments in Milieuschutzgebieten, ein Nachbarschaftsfest in der Bambachstraße, um den Zusammenhalt zu stärken, gegebenenfalls auch mit der Thematisierung des Müll-Problems.

Die Quartiersratsmitglieder machten sich Gedanken: Welche Probleme gibt es und wie könnte man sie lösen?

Als Vorbereitung zur nächsten Quartiersratssitzung im April, in der die Projektgestaltung für das nächste Programmjahr losgeht, sammelten einige Mitglieder auch schon erste Inspirationen: mehr Bildungsarbeit zum Thema Müllvermeidung an Schulen und Jugendeinrichtungen wäre super und mehr Fahrrad-Reparaturstationen. Der Spaziergang kam gut an und so wurden sich auch weitere Begehungen und fokussierte Quartiersratsarbeit zu bestimmten Ecken und Orten des Quartiers gewünscht.